Viele Reviere mit wenigen Jungen
Wir berichteten bereits von einer turbulenten Rotmilan-Saison im sechsten Jahr unseres Projektes. Nun wird es Zeit, die Ergebnisse zusammenzutragen und mit etwas Abstand zu betrachten. Die Saison startete mit ordentlich Flugverkehr, Störungen durch Forstarbeiten und einigen neu besetzten Revieren. Zusammen ein sehr guter Start. Auf der Projektfläche siedelten mit 23 Paaren so viele Rotmilane wie noch nie in der Projektzeit seit 2021 (Abbildung 1).
Abbildung 1: Revier- und Brutpaare des Rotmilans im Projektgebiet.
Das Paar, das durch Forstarbeiten an ihrem letztjährigen Nest gestört wurde, zog in ein benachbartes Feldgehölz und startete dort wie die meisten der 23 Paare mit der Brut. Von den 19 Revieren mit brütenden Rotmilanen hatten dann auch 16 Paare Bruterfolg – so viele wie in der gesamten Untersuchungsperiode nicht. Auch der Schlupferfolg war sehr gut und es erreichten wie auch im Jahr 2024 25 Junge das beringungsfähige Alter von gut zwei Wochen.
So können wir das Projekt in seinem vorerst letzten Jahr positiv abschließen. Oder? Nicht ganz! Durch die im Vergleich mit anderen Untersuchungen sehr intensiven Kontrollen werden viele der Verluste in der Nestlings- und Ästlingsphase aufgedeckt. Und so schmolz der erfreuliche Bruterfolg in der Phase zwischen Beringungsreife und Ausfliegen der Jungen dahin. Auch wenn der tatsächliche Ausfliegeerfolg mit 12 Jungen (von 25 = 48 Prozent) noch über dem einiger anderer Projektjahre liegt, bleibt dieser weiter auf einem niedrigen Niveau (Abbildung 2).
Abbildung 2: Anzahl junger Rotmilane (Summe von zwei Altersklassen) im Projektgebiet
Die Ursachen der Verluste können wir derzeit noch nicht endgültig quantifizieren, da immer noch Ergebnisse von toxikologischen Untersuchungen aus den Laboren ausstehen. In drei Revieren in und um das Projektgebiet, wurden die Reviere wegen später Forstarbeiten aufgegeben, in einem Fall sogar nach der Eiablage durch den Bau eines Zaunes direkt am Nest. In fünf Revieren besteht der dringende Verdacht auf eine Vergiftung. Die Auffindesituationen, und die meist nicht verwerteten Kadaver im oder unter dem Nest, legen diesen Verdacht nahe, die Untersuchungsergebnisse werden hoffentlich zur Aufklärung beitragen können. In einem Fall war ein Altvogel, der schon recht große Junge zu versorgen hatte, betroffen, was das Ende der Brut bedeutete. In drei Revieren konnten wir Prädation durch Habicht oder Uhu nachweisen, in drei weiteren Revieren besteht der Verdacht auf Prädation. In einem Revier waren die Eier der Rotmilane wohl nicht befruchtet oder das Paar noch nicht richtig synchronisiert, in fünf Revieren fanden sich keine Spuren, die den Verdacht in eine bestimmte Richtung lenkte.
Die doch nicht unerhebliche Anzahl anthropogen verursachter Brutaufgaben geben nach wie vor Anlass zur Besorgnis und drängen zur Aufklärung, da es diese Fälle im Gegensatz zu den natürlichen Verlustursachen langfristig zu verhindern gilt. Dazu in einem späteren Newsletter mehr.
Petti hat ein Geschwisterchen
Aufgrund der tollen Zusammenarbeit mit dem Team des FTZ der Uni Kiel, Spenden von der Naturschutzinitiative Blunkerbach und der OAGSH sowie viel ehrenamtlicher Arbeit war es uns möglich, in dieser Saison weitere Rotmilane mit GPS/GSM-Sendern auszustatten. Dazu gehört auch ein Jungvogel aus dem Nest in der Nähe des Gutes Pettluis in welchem auch Petti 2025 groß geworden ist. Dieses junge Männchen wurde von den Pat*innen Bale getauft. “Er hat seinen Namen nach der Bezeichnung einer frühmittelalterlichen Flurbezeichnung bekommen. Die dort um 800 n.Chr. siedelnden westslavischen Stämme der Wagrier nannten diesen Teil der Niederung am Blunker Bach offenbar Bale Loki. In der westslavischen Sprache hieß das Weiße Wiesen. Ich denke, die Niederung könnte im Frühsommer von einer Masse an weiß-wolligen Fruchtständen des Wollgrases regelrecht weiß erschienen sein. Bale, unser Vogel, ist jetzt jedenfalls ein Teil dieser mit dem Ort verbundenen Geschichte geworden.” Unser Pate Nils Kuhnert verfolgt nun beide Rotmilane und teilt seine Erkenntnisse und Gedanken mit uns. Der erste Bericht zu Petti und Bale mit einem Rückblick in Sommer und Herbst findet sich in unserem Blog: https://www.projekt-rotmilan-sh.de/projektjahr-2026/petti-und-bale
Und hier kommt am Ende unseres Newsletters noch ein kleiner Aufruf: Achtet bitte bei Spaziergängen auf sich sammelnde Rotmilane oder folgt einzelnen Individuen, um zu sehen, wo sie hinfliegen. Es wurden bereits einige herbstliche Sammel- und Schlafgemeinschaften entdeckt und in ornitho gemeldet. Es ist zwar sehr schwierig im bunten Herbstlaub die Rotmilane beispielsweise in einer Eiche auszumachen, aber mit etwas Geduld und Beobachtungszeit kann man Richtung Sonnenuntergang die Einflüge entdecken und wunderbar erleben. Und gar nicht selten kommt noch etwas Glück hinzu. Hier hatte sich ein Trupp scheinbar zu einem „Gruppen-Foto“ verabredet.
