Petti zieht zurück
Einer der Pettluiser Paten, Nils Kuhnert, begleitet einen unserer besenderten Rotmilane, den die Paten Petti getauft haben, sehr intensiv und lässt uns regelmäßig an seinen Gedanken zum Verhalten des jungen Rotmilans teilhaben. Dies wollen wir nun in lockerer Reihenfolge auch weiter teilen und werden immer mal wieder Beiträge von Nils an dieser Stelle veröffentlichen. So hoffen wir, es allen Interessierten möglich zu machen, noch intensiver am Leben unserer Rotmilane teilzuhaben. Viel Spaß.
Dieses Mal kommt der Bericht arg verspätet, weil die Saison ‘auf einmal’ los ging und der Datenexport aus Movebank nicht mehr wie gewohnt funktioniert, weil die Website zur Verfolgung besenderter Vögel im Umbau ist. Nu aber – nach und nach:
Ich hatte wenig Muße euch zwischendurch weiter auf dem Laufenden zu halten, obwohl Petti so einige Kapriolen geschlagen hatte. Er war zunächst, nachdem er Spanien verlassen hatte, in einem weiten Bogen gen Osten ein Stück die Côte d’Azur bis Bèziers hinaufgeflogen und ich war schon drauf und dran bei euch seinen Rückflug anzukündigen. Da drehte er jedoch plötzlich um und zog nochmals zurück in die Pyrenäen. Auf dem Weg bei Ceyras allerdings endete sein Signal direkt in einem Fluss und der Vogel war für mich wohl 10 Tage nicht mehr zu orten. Ich machte mir große Sorgen und fürchtete der Vogel sei ertrunken. Kein Signal ist kein gutes Zeichen, wenn ich denn die Bewegungen des Vogels gewöhnlicherweise alle paar Tage mitverfolgen kann, wenn ich sehe, wo er schläft, wo er einen Stop zum Jagen einlegt und wo er auf Tour ist. Ich kontaktierte Birger und er kontaktierte Stefan von der Uni. Der wiederum berichtete, die Impulse des Senders heruntergedimmt zu haben, weil offenbar die Versorgung des Speichers nicht solide gefüllt schien. Einige bange Tage vergingen und ich traute mich oft nicht die movebank-Datenbank aufzurufen, weil der letzte einsehbare Punkt immer noch mitten aus dem Fluss gesendet wurde.
Nun letztlich tauchten dann irgendwann wieder Bewegungsdaten des Vogels auf und ich brauchte ein wenig Zeit um die Tracks auch zu glauben. Er lebt und fliegt! Was für ein Glück!
Inzwischen hat sich Petti jedoch tatsächlich auf den Rückweg gemacht und er fliegt schon seit ein paar Tagen genauso stringent zurück, wie er ehemals gen Frankreich gezogen war. Besonders schön für mich ist, dass er Gebiete überquert in denen ich in verschiedenen Jahren gewandert bin. So zog er über Toulouse hinweg nach Rodez, weiter nach Saint-Flores, bei Roanne über die Loire, vorbei an Gèradmere im Elsass, über die Vogesen und zurzeit überfliegt er die Deutsch-Französische Grenze bei Strasbourg und streift wohl morgen Kaiserslautern. Sein Zugverhalten ist enorm. Was ihn jetzt plötzlich antreibt so unglaublich konsequent den Rückweg zu beschreiten ist mir ein Rätsel.
Wir dürfen gespannt sein wohin es ihn, oder sie verschlägt. Nicht selten steuern ja die Jungvögel im 2. Kalenderjahr zunächst ihr Geburtsrevier an und lassen sich dann irgendwo in der weitläufigen Nähe nieder. Ich denke er wird sich an Seth erinnern und das ehemalige Erbsenfeld mit den Regenwürmern nicht vergessen haben. Wir werden sehen und dürfen hoffen, dass er uns erreichen wird …
Petti auf dem Rückweg. Screenshot aus movebank.org.
