Petti erkundet Rioja
Einer der Pettluiser Paten, Nils Kuhnert, begleitet einen unserer besenderten Rotmilane, den die Paten Petti getauft haben, sehr intensiv und lässt uns regelmäßig an seinen Gedanken zum Verhalten des jungen Rotmilans teilhaben. Dies wollen wir nun in lockerer Reihenfolge auch weiter teilen und werden immer mal wieder Beiträge von Nils an dieser Stelle veröffentlichen. So hoffen wir, es allen Interessierten möglich zu machen, noch intensiver am Leben unserer Rotmilane teilzuhaben. Viel Spaß.
In den letzten drei Wochen entschied sich Petti für eine überraschende Wende in seinem südfranzösischen Winterquartier:
Mitte März sah es noch so aus, als würde sich der Jungvogel, jahreszeitlich durchaus angemessen, langsam in nördliche Richtung zurückbewegen. Er hatte ja zuvor ca. 80 km weit den Osten des französichen Pyrenäenvorlandes in einer großen Schleife erkundet und war schließlich wieder in der gleichen Region südlich von Toulouse angekommen, die er ja schon kannte.
Hier hatte sich der Vogel bereits auf dem Hinflug wohl acht Tage aufgehalten und ganz offensichtlich gut ernähren können. Es sieht ganz danach aus, dass dieser erneute Anflug dieses ihm bekannten Gebietes zu diesem Zweck zielgerichtet war.
Von hier aus setzte er jedoch nicht den von mir erhofften Rückflug in sein Geburtsgebiet an, sondern flog in einem weiten, jetzt westlich ausgerichteten Bogen gen Süden (siehe Bild), streifte ein weiteres ihm schon bekanntes Ernährungsgebiet hielt sich dort kurz auf und setzte dann recht entschieden tatsächlich noch zu einer stringenten Überquerung der Pyrenäen an!
Petti erkundet Rioja und Baskenland
Was bewegte ihn zu dieser überraschenden Anstrengung? Seine Elternvögel hatten zu diesem Zeitpunkt bereits ihr Brutrevier bei uns in der Niederung wieder erreicht und waren in Brutstimmung. Petti jedoch wollte nun doch noch Spanien kennen lernen und flog tatsächlich noch mal in den Süden.
Seine Stringenz und Zielgerichtetheit bei der Überquerung des Gebirges ist beeindruckend und sicher nicht zufällig in Anbetracht der kalten Wetterlage Ende März. Aber besonders auffällig ist, dass der Vogel nicht etwa, wie von mir vermutet, in mehreren aneinandergereihten Talsohlen die Pyrenäen durchquerte, sondern tatsächlich Bergspitzen zwischen 1900 und 2300 m anflog und überquerte. Hier war es zu diesem Zeitpunkt kalt und es lag in Höhen zwischen 1400 und 1900 m noch ein Meter Schnee und zwischen 1900 und 2400 m noch drei Meter Schnee. Die präzisen Temperaturen und den Wind konnte ich für den genannten Zeitraum leider nicht recherchieren.
Möglicherweise unterschätze ich den Vogel und er ist erheblich resistenter gegen Kälte, widrige Wetterlagen und Höhen jenseits der 2000 Meter, als ich es dachte. Was für ein kompetenter Vogel und was für eine bemerkenswerte biologische Ausstattung bzgl. seiner Körperstruktur und Kraft, seiner Sinnesorgane und Orientierung, seiner Verhaltens- und Entscheidungsmöglichkeiten und seiner Anpassungsfähigkeit an die jeweiligen Umweltbedingungen ...
Nachdem der Vogel in den Zentralpyrenäen die Grenze zu Spanien schließlich genommen hatte, flog er dann auf der andere Seite des Gebirges, erneut in einer großen Schleife bis in den Norden der spanischen Region Rioja, vorbei an den Städten Calahorra und Pamplona, bemerkenswerterweise ohne einen nennenswerten Stop einzulegen. Schließlich zog er zurück in eine französische Region der Pyrenäen die deutlich im Bereich der westlichen Küstenausläufer nur noch Höhen bis 1000 m umfasst und von moderaten Hügeln und kleineren Gebirgskuppen gekennzeichnet ist. (Siehe Bild)
So sieht die Region im Baskenland aus.
Hier scheint es ihm gut zu gehen, denn er bewegt sich seit gut 10 Tagen in einem Gebiet, das nur ca. 2,5 Km durchmisst. Es scheint dort genügend Nahrung zu geben – oder gibt es weitere Gründe für sein Verweilen? Zu gern wüsste ich, ob Petti in Gesellschaft ist und was genau ihn dort hält. Er fliegt sehr intensiv immer wieder die gleichen (bewaldeten) Kuppen an. Was ist dort so attraktiv für ihn?
Petti im Baskenland.
Nun, ich bin ein wenig neidisch auf die Bewohner und Bewohnerinnen der nahegelegenen Höfe, die einfach nur aus dem Fenster sehen können, um Petti mit unserem Sender auf dem Rücken zu beobachten – und zu genießen.
