Petti: Ein Pate auf Tour

Wir berichteten schon an verschiedenen Stellen von dem Pilotprojekt mit der Arbeitsgruppe des FTZ der Uni Kiel zur Besenderung von Rotmilanen in Schleswig-Holstein. Einige von den besenderten Rotmilanen stammen direkt aus unserem Projektgebiet und einer davon, der als fast flügger Jungvogel besendert wurde, aus einem ganz besonderen Revier: In den Wäldern um das Gut Pettluis im Südosten unseres Projektgebietes wurden 2018 die ersten vergifteten Rotmilane gefunden, die später dann unser Patenprojekt mit auslösten. Gefunden wurden die Rotmilane damals von einer kleinen engagierten Gruppe, die sich unter anderem in die Greifvogelerfassung einarbeitete, um die Natur im Bereich der Blunkerbachniederung durch die Mehrung von Wissen über das Vorkommen von geschützten Arten besser schützen zu können. Aus dieser Initiative entstand die Naturschutzgemeinschaft Blunkerbach, die sich breit für den Erhalt und die Entwicklung dieses wunderschönen Gebietes engagiert und auch – mittlerweile mehrere – Brutreviere des Rotmilans im Rahmen des Patenschaftsprojektes betreut.

Die betreuenden Pat*innen haben Zugang zu den Bewegungsprofilen ‘ihrer’ besenderten Vögel und einer der Pettluiser Paten, Nils Kuhnert, begleitet den Petti genannten Jungvogel sehr intensiv und lässt uns regelmäßig an seinen Gedanken zum Verhalten des jungen Rotmilans teilhaben. Dies wollen wir nun in lockerer Reihenfolge auch weiter teilen und werden immer mal wieder Beiträge von Nils an dieser Stelle veröffentlichen. So hoffen wir, es allen Interessierten möglich zu machen, noch intensiver am Leben unserer Rotmilane teilzuhaben. Viel Spaß.

Ich habe große Freude an der Nachverfolgung des Pettluiser Rotmilans auf movebank.org – und es entstehen gleichzeitig viele Fragen.

Mich interessierte beispielsweise die Frage, warum der Vogel sich seit dem Verlassen des Pettluiser Lebensraumes immer wieder an definierbaren Orten länger aufgehalten hat, anstatt einfach weiter in Schleswig-Holstein herumzustreifen.

Petti unterwegs in Schleswig-Holstein.

Ich fuhr gestern nach Seth, dem letzten intensiven Aufenthaltsort des Vogels und suchte ihn. Ich fand einen geeigneten Beobachtungsplatz und beobachtete von 16.00 bis 18.00 Uhr. Peu à peu zeigten sich insgesamt vier Rotmilane (3 adult, 1 juv.), die alle auf dieser Fläche jagten. Leider konnte ich unseren Vogel nicht zweifelsfrei identifizieren, denn ich sah den Sender des Jungvogels (1.KJ) nicht. Sie flogen tief, dann nach einer engen Kurve herabschießend, als hätten sie eine Maus gesehen und nahmen etwas vom Boden auf. Verblieben dort zuweilen, liefen ein paar Schritte, nahmen erneut etwas auf, flogen wieder auf und landeten in ähnlicher Weise 30 Meter weiter oder zogen sich nach einer Weile in umliegende Bäume zurück. Sobald sie am Boden saßen, folgten ihnen Elstern, vermutlich in der Hoffnung einen Happen abzubekommen.

Der Acker bei Seth. Foto: N. Kuhnert

Der Acker ist sehr lückig mit 5–10 cm hoch gewachsenen Erbsen (als Zwischenfrucht?) eingesäht. Das betreffende Feld, ca. 16 ha groß, sehr lockere Bodenverhältnisse und trocken! Die umgebenden Felder sind mit Intensivgras (gemäht) bebaut, Mais, abgeerntetes Getreide, etc.. Insgesamt ist in der Umgebung eine landwirtschaftliche Standartbebauung zu sehen. Hier jedoch ein Erbsenacker(!) umgeben von Knickeichen, die den Vögeln als Rückzugs- und vermutlich auch als Schlafraum dienen.

Dieser Acker scheint mir einzigartig in der betreffenden Agrarlandschaft. Zunächst glaubte ich, hier würden Mäuse gejagt, dann sah ich allerdings zweifelsfrei, dass Regenwürmer erbeutet und verspeist wurden!

Die Nutzung des Ackers nebst Umgebung bei Seth.

Die vorläufige Antwort auf meine Frage nach den eigentümlichen Aufenthalten des besenderten Vogels über mehrere Tage an einem definierbaren Ort ist also die spezifische Nahrungsverfügbarkeit dieses Ortes. Diese These gilt es m.E. weiter im Blick zu behalten.

Dass unser Vogel hier im Nebenbei Ortserkundungen macht und offenbar auch gesellig ist und andere Individuen kennenlernt ist anzunehmen und wahrscheinlich. Ich bin sehr gespannt, wie es weiter geht und ob er einmal in unsere Region zurückkehrt. Hoffen wir, dass er lange lebt ...

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Pat*innen berichten über die Brutzeit

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Erste Rotmilane in Schleswig-Holstein mit Sendern unterwegs