Petti: Kurswechsel!

Einer der Pettluiser Paten, Nils Kuhnert, begleitet einen unserer besenderten Rotmilane, den die Paten Petti getauft haben, sehr intensiv und lässt uns regelmäßig an seinen Gedanken zum Verhalten des jungen Rotmilans teilhaben. Dies wollen wir nun in lockerer Reihenfolge auch weiter teilen und werden immer mal wieder Beiträge von Nils an dieser Stelle veröffentlichen. So hoffen wir, es allen Interessierten möglich zu machen, noch intensiver am Leben unserer Rotmilane teilzuhaben. Viel Spaß.

Petti  bewegt sich zurück und wagt die Überquerung offenbar an dieser Stelle doch nicht. Woher weiß der Vogel nur die individuellen Gegebenheiten der örtlichen Lage einzuschätzen? Mir ist das ein Rätsel.
Seine Flugrute zurück in Richtung Lourde entspricht seinem Hinflug. Er scheint sich seine Fluglinien bei einem einmaligen Flug fest einprägen zu können. Was treibt ihn jetzt an? Die Witterung am Ort seiner Umkehr, in Arcizans-Dessous (siehe Bild ) sind zumindest im Talbereich noch milde 10 bis 16 Grad bei Sonne und Regen. Kann er einschätzen was ihn auf 2500 m erwarten würde? Ich staune.

Die Hürde der Pyrenäen.

… der Pettluiser Vogel macht aktuell tatsächlich das, was ich erhoffte! Nachdem er sich 21 Tage in einer Region aufgehalten hatte, die Schleswig-Holstein erstaunlich ähnelt und dort vermutlich eine gute Nahrungssituation vorgefunden hatte, startete er vor einigen Tagen doch noch Richtung Süden an Lourdes vorbei und flog in ein in Nordsüd-Richtung verlaufendes Tal. Vermutlich, um hier doch noch nach Spanien zu gelangen. Meine Sorge, dass er am Ende dieses ca. 40 km langen Tales, 2500 bis 2900 m hohe Berge würde überfliegen müssen, hatte ich mit euch geteilt.

Inzwischen ist er umgedreht und fliegt nun tatsächlich nach Westen in Richtung Atlantik. Er nutzt dazu bemerkenswerterweise nicht das Pyrenäenvorland, sondern quer verlaufende Täler am Nordrand des Gebirges. Ich hoffe, dass er auf diesem Weg irgendwann an San Sebastian vorbei auf moderater Höhe, die hier auslaufenden Pyrenäen passieren wird. Das wäre wirklich spektakulär und bleibt für mich ein Wunder, nicht nur seiner Kompetenz sich zu orientieren, sondern auch seiner Fähigkeit mit regionalen und jahreszeitlichen Bedingungen (Winterbedingungen im Hochgebirge) aktiv umzugehen. 

Hier handelt möglicherweise kein auf ein alternativloses "Zugprogramm" hin determiniertes Geschöpf ohne Wahlmöglichkeiten, sondern vielleicht ein Individuum, das die örtlichen Parameter (Jahreszeit, Wetterlage, Höhengefahren, geografische und geologische Besonderheiten, Nahrungsquellen, etc.)  der Reiseroute sinnvoll interpretieren und daraus Schlüsse ziehen kann. Ist das tatsächlich möglich?

Ich denke, dieses spannende Zugverhalten des Pettluiser Vogels lässt derartige Hypothesen durchaus zu. Bedenkt man ferner, dass bei der Beobachtung der winterlichen Sammelplätze in Schleswig-Holstein immer wieder der Eindruck entsteht, dass die Vögel durchaus auch andere Individuen kennen und sich möglicherweise nicht zufällig in ganz bestimmten Konstellationen versammeln, dann erscheint das Bild eines in vielfältiger Weise komplexen Tieres. – Ich bin erneut beeindruckt.

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Erfassen im Mondlicht und ein kleiner Rückblick auf den Sommer

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Petti: Eine Pyrenäen-Überquerung steht an …