Petti: Aebischer & Scherler helfen weiter
Einer der Pettluiser Paten, Nils Kuhnert, begleitet einen unserer besenderten Rotmilane, den die Paten Petti getauft haben, sehr intensiv und lässt uns regelmäßig an seinen Gedanken zum Verhalten des jungen Rotmilans teilhaben. Dies wollen wir nun in lockerer Reihenfolge auch weiter teilen und werden immer mal wieder Beiträge von Nils an dieser Stelle veröffentlichen. So hoffen wir, es allen Interessierten möglich zu machen, noch intensiver am Leben unserer Rotmilane teilzuhaben. Viel Spaß.
Nachdem Petti sich Anfang Dezember 2025 die Überquerung der Pyrenäen letztlich dann doch ersparte und sich am 16.12.25 in einem etwas abgelegenen Gebiet südlich von Rébénacq, nördlich der Pyrenäen niederlies, war nicht abzusehen, dass er hier bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt (Mitte Februar 2026) verbleiben würde.
Verwunderlich für mich war, dass sich der Vogel im Wesentlichen in den ersten 30 Tagen in einem Radius von nur 1000 m aufhielt. Die Nahrungsverfügbarkeit musste dort stimmen, sonst wäre er sicher weitergeflogen. Bemerkenswert war, wie deutlich der Vogel in diesem Gebiet bestimmte Plätze immer wieder anflog. Manchmal in Gehölze, die ihm möglicherweise als Schlaf- und Ruheplatz dienten und ein Platz auf freier Fläche in der Nähe eines Gehöftes, den ich leider auch bei Google earth nicht weiter verifizieren konnte: schon von Anfang an erschien mir diese Stelle als ein Platz an dem der Vogel gefüttert worden sein könnte.
In den letzten beiden Wochen nun entfernte sich der Vogel ca. 3 km in nordöstliche Richtung, um dann zurückzufliegen, zu einem anderen Zeitpunkt 2 km in südwestliche Richtung, um dann erneut zurückzufliegen. Sein Stammgebiet bleibt aber offensichtlich erhalten. Er ist also nicht unterwegs, sondern lediglich in der Erkundung seiner winterlichen Stammregion. Letztlich ein kleines Gebiet.
Ich bin die gesamte Zeit seines Aufenthaltes bemüht, mir nicht nur das winterliche Südfrankreich der nördlichen Pyrenäenausläufer vorzustellen, das Gelände im Winter, die Waldinseln ob mit Kiefern oder Laubbäumen bewachsen, die Besiedelungsdichte, die landwirtschaftlichen Flächen. Auch stellte ich mir immer die Frage nach seiner Gesellschaft. Ist der Vogel eigentlich allein oder hat er Mitüberwinterer in seinem gegenwärtigen Lebensraum?
Nun besorgte ich mir das 2023 erschienene Rotmilan-Buch von Aebischer & Scherler (Der Rotmilan 2023) und stieß auf folgende Karte: Nun, man kann wohl sagen, Petti ist nicht alleine!
Verteilung der bekannten Winterschlafplätze am Nordrand der Pyrenäen im Januar 2021. Die unterschiedlichen Größen der Punkte stehen für verschiedene Schalfplatzgrößen. Die Karte ilustriert, wie viele Schlafplätze sich in manchen Regionen bilden und wie nahe diese beieinander liegen können. Karte aus Aebischer & Scherler 2023. Der Rotmilan. Réseau Pyrénées et départements limitrophes, C A. de Seynes, LPO France.
Der Vogel ist in Gesellschaft von 14.487 überwinternden Rotmilanen die in 237 (!) Schlafplätzen nördlich der Pyrenäen die kalte Jahreszeit verbringen (2021). In dem Departement Aquitaine, in dem sein gegenwärtiger Aufenhaltsort liegt, überwinterten 2021 ca. 2700 im angrenzenden Departement Okzitaine ca. 1600 Individuen. Der Schlafplatz in dem sich unser Vogel gegenwärtig aufhält, umfasste (2021) 50–100 Vögel. 10 km südlich davon bestand ein Schlafgebiet in dem 400–520 Vögel gemeinsam nächtigten. Die dichte der Schlafplätze und die Anzahl der gemeinsam nächtigenden Individuen übersteigt einfach alles was ich mir jemals vorstellte!
Meine bereits einmal geäußerte Idee, dass Rotmilane eigentlich Gesellschaftsvögel seien, scheint sich hier frappierend zu bestätigen. Nur unsere sommerliche Brutzeitbeobachtungsperspektive lässt uns annehmen der Rotmilan sei ein Einzelgänger oder Paarvogel.
Objektive Gründe für die Vergesellschaftung sind auch nach Aebischer & Scherler nicht zwingend benennbar. Rotmilane scheinen die Gemeinsamkeit wohl einfach zu lieben. Eines ist jedoch naheliegend: dieses Beisammensein erfüllt wohl auch die Funktion eines Heiratsmarktes für die kommende Saison, schreibt Aebischer.
So hoffe ich, dass da unten ordentlich angebandelt wird und sich viele frisch Verliebte im Frühjahr 2026 in Schleswig-Holstein wiederfinden mögen ...
